18.11.2025
Der weibliche Zyklus

Was ist das?
Der weibliche Zyklus ist viel mehr als einfach nur die Periode. Der Zyklus beschreibt den biologischen Prozess im weiblichen Körper, der Frauen auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Er beginnt mit dem ersten Tag der Periode und endet einen Tag bevor die nächste Periode startet.
Der Zyklus hat das Ziel, eine Eizelle zur Befruchtung bereitzustellen und die Gebärmutter so vorzubereiten, dass sich ein befruchtetes Ei einnisten könnte. Findet keine Befruchtung statt, wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen und die Menstruation beginnt.
Anatomie Exkurs: Was genau ist die Gebärmutter und wie funktioniert sie?

Unsere Gebärmutter (auch Uterus genannt) ist wie ein kleines Zuhause in unserem Bauch und hat dabei nur die Größe einer Birne. Sie bereitet sich jeden Monat darauf vor, Leben zu empfangen, zu schützen und zu ernähren. Passiert dieses nicht, reinigt sie sich und beginnt von vorne.
Unsere Gebärmutter besteht aus Muskelgewebe und sitzt zwischen Blase und Darm.
Wissenschaftlich beschrieben ist der Uterus ein muskulöses Hohlorgan im Becken der Frau. Die Gebärmutter ist ca 7-10 cm lang, 5-7 cm breit und ca 2-3 cm dick. Insgesamt besteht sie aus drei Bereichen.

Anatomische Bereiche:
Fundus Uteri
Der Fundus Uteri ist das Dach deiner Gebärmutter. Seine Aufgabe ist es, die Gebärmutter zu stützen und zu schützen. In einer Schwangerschaft dehnt er sich stark nach oben aus, damit das Baby in Ruhe wachsen kann. Beide Eileiter münden hier ein. Eileiter sind die zwei kleinen beweglichen Röhrchen, die die Eierstöcke (also da wo die Eizelle herkommt) mit der Gebärmutter verbinden. Die Stelle, an der die Eileiter am Fundus Uteri münden, ist wie eine Haustür für die Eizelle.
Corpus Uteri
Der Corpus Uteri ist der mittlere und größte Teil der Gebärmutter. In diesem Bereich wächst die Gebärmutterschleimhaut und im Falle einer Befruchtung würde ein Kind hier heranwachsen. Das bedeutet, in diesem Bereich nistet sich die Eizelle ein.
Cervix uteri
Der Cervix ist der untere schmale Teil der Gebärmutter und verbindet sie mit der Scheide. Stell ihn dir wie eine Tür vor, die sich im Laufe deines Zyklus öffnet, schließt, höher oder tiefer steht. Je nachdem, was in deinem Körper gerade passiert.

Ich möchte keine Kinder – ist meine Gebärmutter dann überflüssig für mich?
Auch wenn du jetzt noch keine oder überhaupt keine Kinder bekommen möchtest (was übrigens völlig okay ist), ist deine Gebärmutter wichtig und wertvoll für dich. Sie ist kein Organ, was nur für die Schwangerschaft an sich gedacht ist. Sie ist das Zentrum des weiblichen Körpers.
Sie hält deinen Hormonhaushalt im Gleichgewicht. Dadurch werden deine Stimmung, Haut, Schlaf und sogar deine Muskeln beeinflusst.
Deine Gebärmutter ist ein kräftiger Muskel. Sie sorgt für eine gute Durchblutung, hält das Becken stabil und hilft dabei, dass dein Körper sich stark und ausgeglichen fühlt.
Sie arbeitet jeden Monat. Für dich.
Und wie funktioniert jetzt dieser Zyklus?
Um diese Frage verständlich beantworten zu können, müssen wir zuerst unsere Hormone verstehen.
Exkurs: Hormone
Hormone sind wie kleine Boten in deinem Körper. Sie reisen über das Blut und überbringen Nachrichten von einem Organ zum anderen. Wenn beispielsweise dein Gehirn deinem Eierstock sagen will „es ist Zeit um eine Eizelle wachsen zu lassen", dann schickt es ein Hormon los, das genau diese Nachricht überbringt.
Hormone steuern fast alles in deinem Körper. Wie beispielsweise:
- deinen Zyklus
- deinen Schlaf
- deinen Hunger
- deine Energie
- deine Stimmung
- deine Temperatur
- dein Training
Die wichtigsten Hormone im weiblichen Zyklus
Östrogen
Östrogen ist das weibliche Sexualhormon und wird vor allem in den Eierstöcken gebildet. Kleinere Mengen werden aber auch in der Nebenniere und dem Fettgewebe gebildet. Östrogen ist die Kraft zum Aufbauen im weiblichen Körper. Es hilft überall mit, wo was wachsen, erneuert oder geschmeidig werden soll.
Östrogen baut die Gebärmutterschleimhaut wieder auf, nachdem sie während der Periode abgestoßen wurde und bereitet den Körper so auf eine mögliche Schwangerschaft vor.
Es schützt deine Knochen vor Abbau, hilft beim Muskelaufbau und bei der Regeneration. Es hält Blutgefäße elastisch, verbessert die Durchblutung und schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es macht die Haut straffer und feuchter und lässt Haare mehr glänzen. Auch die Schleimhäute (z.B. in der Scheide und Blase) werden geschmeidig gehalten. Das war noch nicht alles: Östrogen hilft bei der Konzentration, fördert Motivation und gute Laune.
Kurz gesagt ist Östrogen ein kleiner Bauarbeiter und gibt uns Lebenskraft und Weiblichkeit.

Progesteron
Progesteron ist das Hormon der Ruhe, Stabilität und Wärme. Es wird in der zweiten Zyklushälfte, nach dem Eisprung, aus einem geplatzten Follikel gebildet (dazu später mehr). Falls eine befruchtete Eizelle kommen sollte, sorgt Progesteron dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut weich und gut vorbereitet ist. Es hat aber auch andere Aufgaben, wie z.B. das Unterstützen der Regeneration und des Gewebeaufbaus. Außerdem beruhigt es dein Nervensystem, macht dich schlafbereiter und sensibler, erhöht deine Körpertemperatur leicht, steigert deinen Appetit und lässt den Stoffwechsel schneller arbeiten.
Kurz gesagt ist Progesteron, wie ein kleiner Haushüter, der auf das Nest (die Gebärmutter) aufpasst und es weich, warm und gemütlich macht.

Follikelstimulierendes Hormon: FSH
Das follikelstimulierende Hormon, kurz FSH wird im Gehirn, genauer gesagt in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) hergestellt. Du kannst dir das FSH wie eine Trainerin vorstellen, die am Anfang vom Zyklus ruft: „Aufwachen Eierstöcke, es ist Zeit einen neuen Zyklus zu starten!"
Jeden Monat schlafen viele kleine Eibläschen (Follikel) im Eierstock. FSH gibt ihnen das Signal zum aufwachen und heranreifen. Follikel sind wie kleine Eier-Wohnungen, in denen jeweils eine Eizelle sitzt. Unter dem Einfluss von FSH wird ein Follikel größer und stärker als die anderen und der stärkste der Leitfollikel. Er ist derjenige, der später im Eisprung die Eizelle freigibt. Der wachsende Follikel produziert Östrogen. Je größer der Follikel wird, desto mehr Östrogen entsteht. Mehr Östrogen bedeutet: deine Gebärmutterschleimhaut baut sich auf. Ist genug Östrogen da, stoppt das FSH. Der Follikel ist groß genug. Warum ist FSH so wichtig? Ohne FSH gäbe es keinen Start in den Zyklus, keinen wachsenden Follikel, kein Östrogen, kein Eisprung.
Kurz gesagt ist FSH wie eine Trainerin, die die Follikel und somit die Östrogenproduktion unter fester Kontrolle hat.

Luteinisierendes Hormon: LH
Das Luteinisierendes Hormon, kurz LH, wird genau wie FSH in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) hergestellt. Etwa in der Mitte deines Zyklus merkt das Gehirn, dass viel Östrogen da ist. Viel Östrogen signalisiert, dass der Follikel groß und bereit ist. Als Folge darauf schießt das LH in die Höhe, der sogenannte LH-peak. Dieser starke LH Anstieg sorgt dafür, dass der reife Follikel platzt. Daraufhin wird die Eizelle aus dem Eierstock freigegeben. Dieser Vorgang wird als Eisprung bezeichnet (Ovulation). Das bedeutet, ohne LH gäbe es keinen Eisprung. Nachdem der Follikel geplatzt ist, bleibt eine kleine gelbe Drüse zurück: der Gelbkörper. Dieser Gelbkörper produziert Progesteron, das Hormon der zweiten Zyklushälfte.
Kurz gesagt: LH ist wie ein Manager, der den Zyklus zuverlässig in die nächste Phase bringt.

DER WEIBLICHE ZYKLUS
Wie vorhin schon erwähnt, beginnt dein Zyklus mit dem ersten Tag deiner Periode und endet einen Tag vor der darauffolgenden. Im Durchschnitt sind das 28 Tage. Normal sind 21 bis 35 Tage.
Der Zyklus wird in 4 Phasen unterteilt:
- Menstruation
- Follikelphase
- Ovulation
- Lutealphase
Phase 1: Menstruation (Tag 1 - ca 3-7)
Die Menstruation ist der Start deines Zyklus. Sie beginnt am ersten Tag, an dem du richtig blutest. In den Wochen davor hat dein Körper eine weiche Schleimhaut in der Gebärmutter aufgebaut. Wird keine Eizelle befruchtet, braucht dein Körper diese Schicht nicht mehr. Die Hormone Östrogen und Progesteron sinken ab, die Schleimhaut löst sich und wird als Blut ausgeschieden. Das ist deine Periode.
Die Blutung dauert meist drei bis sieben Tage. Viele Frauen fühlen sich in dieser Zeit müder, haben etwas Bauchziehen oder Stimmungsschwankungen. Andere merken fast nichts. Alles davon ist normal.
Phase 2 – Aufbauphase / Follikelphase (ca Tag 7 - 12)
Nach der Periode startet dein Körper neu. In deinen Eierstöcken werden mehrere kleine Eibläschen geweckt. Sie heißen Follikel. Ein Hormon aus dem Gehirn, das FSH, sagt ihnen: „Wach werden, es geht los!" Einer dieser Follikel wird stärker als die anderen und wächst jeden Tag ein Stück weiter.
Während dieser Leitfollikel wächst, produziert er viel Östrogen. Dieses Hormon wirkt wie ein Aufbau- und Energiehormon. Es sorgt dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut wieder aufbaut, weich, dick und gut durchblutet wird. Gleichzeitig fühlen sich viele Frauen in dieser Phase aufgrund des hohen Östrogens leichter, stärker und klarer im Kopf.
Phase 3 – Der Eisprung/ Ovulationsphase (ca Tag 12- 14)
Die dritte Phase deines Zyklus ist der Eisprung. Er findet ungefähr in der Mitte des Zyklus statt. In dieser Zeit hat der Leitfollikel genug Östrogen produziert, sodass dein Gehirn einen starken LH-Schub aussendet. Dieser Hormonschub sorgt dafür, dass der Follikel aufplatzt und die Eizelle freigibt. Die Eizelle wird in den Eileiter aufgenommen und kann dort für etwa 12 bis 24 Stunden befruchtet werden. Manche Frauen spüren den Eisprung als leichtes Ziehen im Unterbauch, andere merken gar nichts. Viele bemerken aber einen klareren, durchsichtigen Zervixschleim und fühlen sich in dieser Phase besonders energiegeladen, stark und motiviert. Die Ovulationsphase dauert rund zwei bis drei Tage, der eigentliche Eisprung selbst ist jedoch ein sehr kurzer Moment. Es ist der Höhepunkt deines Zyklus und der Übergang zur nächsten Phase.
Phase 4 – Lutealphase (ca Tag 14-28)
Die Lutealphase beginnt direkt nach dem Eisprung. Der Follikel, aus dem die Eizelle gesprungen ist, verwandelt sich jetzt in den Gelbkörper. Dieser produziert das Hormon Progesteron, das deinen Körper beruhigt und die Gebärmutterschleimhaut stabil hält. Dein Stoffwechsel läuft in dieser Zeit etwas schneller, weshalb viele Frauen mehr Hunger verspüren und sich schneller erschöpft fühlen. Auch Stimmungsschwankungen oder eine größere Sensibilität können auftreten, weil Progesteron stark auf das Nervensystem wirkt. Wenn keine Befruchtung stattfindet, schrumpft der Gelbkörper wieder und der Progesteronspiegel sinkt. Dadurch löst sich die Schleimhaut in der Gebärmutter, und die nächste Menstruation beginnt.